Sonntag, 9. September 2012

la dolce vita - lido di garda totale































Wie ich schon mal hier geschrieben hatte, wird es im Hause S. einfach nicht langweilig. Ich kann machen was ich will; stets ist hier eine Menge los. Kein Tag gleicht dem anderen – weder beruflich, noch privat. Das hört sich zunächst alles recht spannend, kurzweilig und aufregend an. Aber mein Leben könnte ruhig etwas mehr Langeweile vertragen. Öfter mal 50 km/h wäre besser, als immer 150 km/h auf der Überholspur. 

Zu der andauernden Geschwindigkeitsüberschreitung hatte vor dem Sommer unter anderem die unvorhergesehene Urlaubsplanänderung des Kindesvaters und Ehemannes beigetragen. Ergebnis: Mutter und Kind fahren alleine. Ja. Grossartig. Mir schwindelte. Kurz mal auf Reset gedrückt und der geplante Frankreichurlaub war weg. Und nun? Wohin überhaupt? Fliegen: zu teuer. Lastminute: fiese Unterkünfte. Süditalien/Spanien/Frankreich: mit dem Auto zu weit. Nach tagelangen Überlegungen (das kann ich gut) und unermüdlichen Gegoogel (das auch) nach einem hübschen Plätzchen für Mutter und Kind, fand ich die Lösung: Gardasee. Nicht zu weit. Irgendwie sind 1000 km schon machbar...bloß keine Panik...konzentrieren auf: Sonne pur....schöne Sprache = Urlaubsfeeling...Hotel mit Halbpension = nicht einkaufen und kochen müssen = no stress.

Ich gebe zu: ich bin in meinem bisherigen Leben noch nie in die Situation gekommen mit einem zweieinhalbjährigen Kind alleine mit dem Auto zum Gardasee zu fahren. Ist ja nicht grad ums Eck. But: no risk, no fun! Gardasee, my love, wir kommen!!! Voll bepackt mit Schwimmflügelchen, Windeln, 1 Kilo Spielzeugautos, 3 Kilo Büchern, Kleidung und Schuhe für jede Lebenslage, Kinderwagen und noch ein paar anderen Dingen fuhren wir los; über München, weiter nach Norditalien. 

Die Möglichkeit, dass ein Kleinkind über zweimal circa 500 km schreien und zetern könnte, hatte ich einfach ausgeblendet. Und ich hatte Glück! Das friedlichste Kind auf Erden. Während Mama vorne fuhr, tat das Kind hinten folgendes: schlafen, schauen (vor allem Autos), reden (viel! Aber nur anstrengend wenn man gerade zwei Laster überholt, während hinter einem einer dieser Vollidioten an der Stoßstenge klebt), blättern (Bücher), essen (gerne Brezen), hören (die Kleine Hexe, zum 453. Mal) und zwischendurch langweilen. Aber keine Genöle, kein Gemecker. Ich war so stolz auf unser Kind!

 Die fünfeinhalb Stunden von München zum Gardasee haben wir dann mit Links geschafft. Das soll nicht heißen, dass das jetzt nicht anstrengend war. Vor allem nicht langweilig (siehe oben). Aber: das erste Glitzern des Sees, das langsam durchs Bewußtsein sickernde sichere Gefühl, dass hier wirklich Sommer ist (also einfach mal richtig heiß), die vielen Segelboote, die italienischen Straßenschilder, die Urlaubsstimmung, all das hat jede Anstrengung weggepustet. Und zu guter Letzt muß ich sagen, dass so ein Urlaub mal alleine mit Kind auch was unglaublich Schönes hat. Einfach nur mal Zeit fürs Kind haben, ohne einkaufen, kochen, arbeiten. Was haben wir beide das genossen!!!



Unsere Urlaubstage waren ausgefüllt mit:

Frühstück draußen unter Sonnenschirmen
Am Pool sitzen und Füße im Wasser baumeln lassen
Auf dem Gardasee Boote schauen
Steinchen werfen
In kühlen Kirchen sitzen 
Steinhaufen bauen
Bruschetta im Schatten essen und Aperol Spritz trinken (letzteres nur Mutter)
Faulenzen
zweistündige Siesta machen (Kind solo oder im Duo)
Ball spielen
Armbändchen fürs Kind, Schuhe (!) für Mama kaufen
Eis essen
italienisches Abendessen geniessen
Abends im Örtchen durch die Gassen gehen
Lesen
Kuscheln
Obst essen und vollkleckern
Postkarten schreiben und bekritzeln
Noch mehr Eis essen
Sonnen
Schwimmreifen kaufen
Ausflüge machen
Sonnen

War das schön! Es hat sich tausendmal gelohnt. Gardasee wir kommen wieder!

Ciao a tutti
Susanne

Mittwoch, 5. September 2012

"mama, no eine beze!"







"alle bezen weg!"


"nein, nur spass gemacht!"
 
Vor einigen Wochen stand ich um 7 in der Früh beim Bäcker. In München. Am Röcklplatz. Die besten Semmeln in Viertel und die besten Butterbrezen. Und das Schöne an den Butterbrezn ist: die gibt’s einfach so - fertig mit Butter bestrichen!

3 Stück hab ich gekauft: eine für mich, eine für Julius und eine als Reserve. So gegen acht Uhr zwanzig, unterwegs auf der A8 Richtung Innsbruck, meldete sich der erste Hunger. Genüsslich knabberte Julius an seiner Brezn. Ich an meiner. Es brauchte nicht lange und schon krähte da hinten einer: „Mama, no eine Breze!“ Mamas sind super. Die kaufen Brezn auf Vorrat. Leider zu wenig, wie ich merkte. Die Letzte mußten wir uns also teilen, wobei ich ungefähr weniger als ein Drittel davon bekam.

Das Breznthema ging mir seitdem nicht aus dem Kopf und so beschloss ich nach unserer Rückkehr mich an das Backen von Brezen zu machen. Nach einiger Recherche im Internet war klar, dass richtige Laugenbrezn in Natronlauge, also in 4%ige NaOH, getaucht werden müssen. Das Grundrezept (Salzmenge verdoppelt) stammt von hier.

?!?

Da ich Natriumhydroxid nicht im Küchenschrank hatte, versuchte ich mein Glück mit dem „normalen“ Back-Natron. Leider muß ich zugeben, dass die kleinen Teile recht blass gehen die echten Kollegen aussehen. Aber der Mühe wegen habe ich mich entschieden, sie trotzdem hier zu zeigen. Das Experiment Laugenbrezen ist demnach noch nicht abgeschlossen. Geschmeckt haben die Bleichlinge schließlich trotzdem. Der Anstrich von Petersilie-Rauke-Pesto hat ihrem Teint recht gut getan.


Hier die Adresse der Bäckerei, Nähe Röcklplatz:
Zöttl Vinzenz Bäckerei
Ehrengutstrasse 17
80469 München

Samstag, 25. August 2012

I fahr heit z'minga oder griaß de und pfiad gohd

 


















 
-->

Wenn ich Richtung Süden fahre und irgendwann vom Flachland ins Hügelland, vom Hügelland ins Bergland komme, geht mir das Herz auf. Ganz tief da drin rührt sich was. Es fühlt sich an wie nach Hause kommen. Wenn ich die Berge sehe, die grünen Wiesen mit den Heuschobern, die Kirchtürme mit den Zwiebeltürmchen, die Luft atme – ja die Luft ist definitiv anders (ich bilde mir ein schon an den Autobahnraststätten) – breitet sich ein Wohlsein aus, ein wahrhaftiges Glücksgefühl.

Im Speziellen fühle ich mich so wenn ich Richtung München und natürlich nach Österreich fahre. Auch wenn ich nie in München gelebt habe, ist diese Stadt ebenso wie Österreich im Allgemeinen meine Ur-Heimat. In München haben meinen Großeltern – ich glaube 50 Jahre gelebt – hier ist mein Vater aufgewachsen, hier ist mein Bruder groß geworden, hier haben meine Eltern gelebt bevor ich geboren wurde ich verbinde hier schöne Kurzurlaube oder Zwischenhalte während meiner Kindheit und Jugend. Das Haus ist zwar verkauft, aber den bestimmten Geruch im Hause meiner Großeltern, habe ich irgendwie immer noch in der Nase. Genauso wie das Kümmelbrot und die selbstgemachte Hagebuttenmarmelade meiner Großmutter. Ich kann mich an jede Ecke dort genau erinnern. Manche Gegenstände finden sich jetzt in meinem Zuhause und das ist schön, wie zum Beispiel ein vom meinem Opa weiß gestrichener Hocker mit Klappe oder die große verzierte Decke, die nun bei uns auf dem Klavier liegt oder die kleine blaue Milchkanne mit der abgesprungenen Kante, in dem morgens die Milch auf unserem Frühstückstisch steht.

Mit München verbinde ich aber nicht nur meine Großeltern, sondern auch herzallerliebste Freunde. Wir sehen uns selten, aber wenn doch, ist es als hätten wir uns gestern gesehen. Ich liebe so etwas! Und diese Herzlichkeit, diese Gastfreundschaft! Diese tolle Familie habe ich eng in mein Herz geschlossen.

Und diesen Sommer war es wieder soweit. Ich bin kein Langstreckenfahrer und diese 580 Kilometern nagen immer an meiner Aufmerksamkeit und so hatte ich mich 100 Kilometer vor München an einem Parkplatz ein Nickerchen gemacht – auf dem Lenkrad. Danach ging's munter weiter mit etwas schiefen Nacken. Egal. München winkt.

Mei, ist des wieder schee hier! Am nächsten Tag zeige ich Julius München. Als erste Tat gehe ich vormittags mit Julius zum Franziskaner Weißwurst essen. Julius liebt Weißwürste und Brezn. Ich auch. Und hier schmecken sie einfach am besten. Ich zeige Julius den Viktualienmarkt. Hier gibt’s ordentlich was zum zum Gucken. Wir kaufen zum Abendessen frisches Sauerkraut, Oliven, eine halbe Melone und Erdbeeren. Zum Abschluß gibt’s für jeden eine frischen gepressten Saft. Beim Hugenhubel kaufen wir noch Urlaubsbücher: Romane für Mama, Bilderbücher fürs Kind. Das Glockenspiel am Marienplatz spielt uns ein Liedchen, während wir ein Eis schlecken. An der Isar entlang fahren wir mit dem Bus wieder zurück und sitzen noch bis spät Abends am Spielplatz, wo die Kinder barfuss laufen und (manche) Eltern mit einem Weissbier den Sommer geniessen.

Montag, 23. Juli 2012

Röstbrot und andere Gedanken












 
Loslassen - locker bleiben. Es gibt Menschen, die werden mit dieser Haltung ins Leben hinein geboren und es gibt solche, die sie sich erarbeiten. Ich gehöre zu Letzeren. Dann nennt sich das Lebensweisheit oder so.

Was nicht weiter schlimm ist, denn ich erlebe bewußt die Erfolge und das grandios! Auch den wenigen guten Tagen kann ich mittlerweile etwas Schönes abgewinnen. Nicht immer sofort. Manchmal kann ich erst nach ein paar Tagen Reflexion das Licht am Horizont erblicken. Manchmal sind es auch kleine (Glücks)Momente, die den Modus „Loslassen“ ankurbeln, zum Beispiel Sonnenschein, ein nettes Telefonat, ein Julius' Lachen oder ein neues Wort, wie heute „Bettchen, nein“! Auch ein Ziegenkäse-Pesto-Pilz-Brötchen kann es auslösen. Gutes Essen löst sowieso gute Gefühle aus. Und diese Brotkruste, deren Röstduft durch die Wohnung zieht, tut sein übriges. Nach dem Fotografieren setze ich mich auch den Küchenboden und genieße dieses köstlich-einfache Brot. Schon beim Reinbeissen sind einige Sorgen vergessen. Nichts geht über ein gutes Essen, das kann auch gerne am Tisch sitzend eine Kohlroulade sein.

Meine herbstliche Stimmung passte an diesem Tag aber einfach auf Röstbrot mit Pesto-Ziegenkäse-Tralala. Draußen war es weder kalt noch warm. Irgendwas brauchte ich zum Kuscheln. Das kann dann auch mal ein Brötchen sein. Im übertragenen Sinne. Manche kuscheln halt mit Macarons oder Käsekuchen.

Irgendwie bin ich abgeschweift, aber das macht auch nix. Dies ist ein wirklich schönes, wildes und buntes Leben, voller Überraschungen, Höhen, Tiefen, Herausforderungen, auf jeden Fall ohne Langeweile. Es gibt noch viel zu Lernen und ich freue mich noch auf die Zeit, die kommt. 
 
In diesem Sinne hier noch ein Gedicht, dass Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag, am 16. April 1959 geschrieben hat. Nicht umsonst mußte er 70 Jahre alt werden, um diese Einsicht zu erlangen.
 
Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen,
dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnung für mich sind,
gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich , das nennt man
“Authentisch-Sein”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
wie sehr es jemanden beschämt,
ihm meine Wünsche aufzuzwingen,
obwohl ich wusste, dass weder die Zeit reif,
noch der Mensch dazu bereit war,
auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß ich, das nennt man
“Selbstachtung”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich nach einem anderen Leben zu sehnen,
und konnte sehen, dass alles um mich herum
eine Aufforderung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man
“Reife”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden,
dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist
– von da konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich, das nennt sich
“Selbstachtung”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
mich meiner freien Zeit zu berauben
und ich habe aufgehört,
weiter grandiose Projekte
für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das,
was mir Spaß und Freude bereitet,
was ich liebe
und mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise
und in meinem Tempo.
Heute weiß ich, das nennt man
“Ehrlichkeit”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit
was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von allem, das mich immer wieder hinunterzog,
weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das “gesunden Egoismus”,
aber heute weiß ich, das ist “Selbstliebe”.

Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört,
immer recht haben zu wollen,
so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt,
das nennt man “Einfach-Sein”.
 
Als ich mich wirklich
selbst zu lieben begann,
da erkannte ich,
dass mich mein Denken
armselig und krank machen kann,
als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte,
bekam der Verstand einen wichtigen Partner,
diese Verbindung nenne ich heute
“Herzensweisheit”.

Wir brauchen uns nicht weiter
vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen
mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen
manchmal aufeinander
und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich,
das ist das Leben!

Charlie Chaplin, 1959