Wie ich schon mal hier geschrieben
hatte, wird es im Hause S. einfach nicht langweilig. Ich kann machen
was ich will; stets ist hier eine Menge los. Kein Tag gleicht dem
anderen – weder beruflich, noch privat. Das hört sich zunächst
alles recht spannend, kurzweilig und aufregend an. Aber mein Leben
könnte ruhig etwas mehr Langeweile vertragen. Öfter mal 50 km/h
wäre besser, als immer 150 km/h auf der Überholspur.
Zu der
andauernden Geschwindigkeitsüberschreitung hatte vor dem Sommer
unter anderem die unvorhergesehene Urlaubsplanänderung des
Kindesvaters und Ehemannes beigetragen. Ergebnis: Mutter und Kind
fahren alleine. Ja. Grossartig. Mir schwindelte. Kurz mal auf Reset
gedrückt und der geplante Frankreichurlaub war weg. Und nun? Wohin
überhaupt? Fliegen: zu teuer. Lastminute: fiese Unterkünfte. Süditalien/Spanien/Frankreich: mit dem Auto zu weit. Nach tagelangen
Überlegungen (das kann ich gut) und unermüdlichen Gegoogel (das auch) nach
einem hübschen Plätzchen für Mutter und Kind, fand ich die Lösung:
Gardasee. Nicht zu weit. Irgendwie sind 1000 km schon
machbar...bloß keine Panik...konzentrieren auf: Sonne pur....schöne Sprache =
Urlaubsfeeling...Hotel mit Halbpension = nicht einkaufen und kochen
müssen = no stress.
Ich gebe zu: ich bin in meinem
bisherigen Leben noch nie in die Situation gekommen mit einem
zweieinhalbjährigen Kind alleine mit dem Auto zum Gardasee zu
fahren. Ist ja nicht grad ums Eck. But: no risk, no fun! Gardasee, my
love, wir kommen!!! Voll bepackt mit Schwimmflügelchen, Windeln, 1
Kilo Spielzeugautos, 3 Kilo Büchern, Kleidung und Schuhe für jede
Lebenslage, Kinderwagen und noch ein paar anderen Dingen fuhren wir
los; über München, weiter nach Norditalien.
Die Möglichkeit,
dass ein Kleinkind über zweimal circa 500 km schreien und zetern
könnte, hatte ich einfach ausgeblendet. Und ich hatte Glück! Das
friedlichste Kind auf Erden. Während Mama vorne fuhr, tat das Kind hinten folgendes: schlafen, schauen (vor allem Autos), reden (viel! Aber nur
anstrengend wenn man gerade zwei Laster überholt, während hinter
einem einer dieser Vollidioten an der Stoßstenge klebt), blättern
(Bücher), essen (gerne Brezen), hören (die Kleine Hexe, zum 453. Mal) und zwischendurch langweilen. Aber keine Genöle, kein Gemecker.
Ich war so stolz auf unser Kind!
Die fünfeinhalb Stunden von
München zum Gardasee haben wir dann mit Links geschafft. Das soll
nicht heißen, dass das jetzt nicht anstrengend war. Vor allem
nicht langweilig (siehe oben). Aber: das erste Glitzern des Sees, das
langsam durchs Bewußtsein sickernde sichere Gefühl, dass hier
wirklich Sommer ist (also einfach mal richtig heiß), die vielen Segelboote, die
italienischen Straßenschilder, die Urlaubsstimmung, all das hat jede
Anstrengung weggepustet. Und zu guter Letzt muß ich sagen, dass so
ein Urlaub mal alleine mit Kind auch was unglaublich Schönes hat.
Einfach nur mal Zeit fürs Kind haben, ohne einkaufen, kochen,
arbeiten. Was haben wir beide das genossen!!!
Unsere Urlaubstage waren ausgefüllt
mit:
Frühstück draußen unter
Sonnenschirmen
Am Pool sitzen und Füße im
Wasser baumeln lassen
Auf dem Gardasee Boote schauen
Steinchen werfen
In kühlen Kirchen sitzen
In kühlen Kirchen sitzen
Steinhaufen bauen
Bruschetta im Schatten essen und
Aperol Spritz trinken (letzteres nur Mutter)
Faulenzen
zweistündige Siesta machen (Kind
solo oder im Duo)
Ball spielen
Armbändchen fürs Kind, Schuhe (!) für Mama kaufen
Armbändchen fürs Kind, Schuhe (!) für Mama kaufen
Eis essen
italienisches Abendessen geniessen
Abends im Örtchen durch die
Gassen gehen
Lesen
Kuscheln
Obst essen und vollkleckern
Postkarten schreiben und
bekritzeln
Noch mehr Eis essen
Sonnen
Schwimmreifen kaufen
Ausflüge machen
Sonnen
War das schön! Es hat sich tausendmal gelohnt. Gardasee wir kommen wieder!
Ciao a tutti
Susanne