Heute gibt’s mal was gänzlich Unspektakuläres. Nicht bezüglich des Geschmacks, aber der Zutaten: Kartoffeln, Karotten, Kaffeesahne und Käse.
Dies ist eine kleine Variante des klassischen Gratin Dauphinois, wenn überhaupt ein authentisches Rezept existiert. Denn darüber gibt es wahrlich Glaubenskriege!
Eigentlich macht man das Gericht ohne Käse, aber mein Mann kann nicht in Frieden schlafen gehen, wenn keine Käse auf dem Gratin ist und ich habe mich überreden lassen. Wer es mal ohne Käse probiert, wird sehen, das das Gericht durch seine grandiose Einfachheit glänzt. Diese Weisheit habe ich von einer nicht mehr nachvollziehbaren Abschrift eines Rezepts von einem gewissen Curnonsky. Da schau ich doch mal schnell wer das ist....oh!...das war der berühmteste Gastronomiekritiker Frankreichs und Vater des Guide Michelin: Maurice-Edmond Sailland. Habe ich noch nie gehört. Mhh. Und von dem habe ich ein Rezept, also eine Abschrift. Oh Mann.
Dieser nun heilige Fetzen Papier entstammt einem Kochbuch. Zusammengeklebt aus zig Zeitschriften und abgetippten (ja, mit der Schreibmaschine!) Rezepten und sogar mit teils merkwürdigen Bildern aus diesen Zeitschriften. Foodfotografie Ende der Achtziger bzw. Anfang der Neunziger reißt heute keinen mehr vom Hocker – um es nett zu formulieren. Bin ja gespannt wohin sich die Foodfotografie in den nächsten 50 Jahren noch hin entwickeln kann.
Zurück zum Kochbuch: ein wirkliches Sammelsurium, sogar nach Kategorien sortiert. Ich bin Jungfrau. War ich schon immer – soll heißen im Sternzeichen. Jungfrauen sind ordnungsliebend, sagt man und daher habe ich schon im zarten Alter von 17 Jahren dieses säuberlich angelegte Kochbuch fabriziert. Als ich noch keine Ahnung hatte vom richtigen Kochen. Als ich noch versucht habe brav nach Rezept zu kochen. Bitte nicht persönlich nehmen. Nach Rezept zu kochen ist eine Variante des Kochens und auch eine sehr weise. Es geht (fast) nichts schief. Allerdings ist die intuitive Küche auch nicht zu verachten. Sie lebt durch die Fantasie, durch die Inspiration und das Experimentieren. Ich möchte das nicht missen. Es schult den Geschmack, das Gedächtnis (falls man vergessen hat das gerade kreierte Rezepte aufzuschreiben) und es entstehen immer wieder neue Rezepte. Wie sonst auch sollten nach tausenden von Jahren des Kochens immer noch neue Kochbücher auf den Markt kommen?
Eigentlich wollte ich ja von der Variante der Varianten des Gratin Dauphions erzählen. Und meine geht so:
Nun, man schäle und hoble die Kartoffeln und Karotten (!) zu Scheiben und schichte sie abwechselnd in eine Auflaufform. Zwischen die Schichten Salz, Pfeffer, Koriander und Rosmarin. Darüber Kaffeesahne, Ziegenkäse und Gouda darüber gerieben. Voilá!