Freitag, 1. November 2013

geister vertreiben














Gesammelte Kochrezepte meiner Großmutter




Manchmal meint man nichts zu essen zu haben sei besser als Trockenbrot. Manchmal wünscht man sich lieber trockene alte Krümel als gar nichts zu Beißen. Der Mensch, das zwiegespaltene Wesen.

Es gibt Momente im Leben, in denen man zwar nicht seine Entscheidung anzweifelt, aber in denen man überlegt ob eine eine schlechte Beziehung keiner vorzuziehen wäre...wie gesagt: man überlegt, man setzt nicht um.

Die dunkle Jahreszeit fördert Grübeleien. Es wird früher dunkel, genau genommen um halb sechs Uhr Abends, es wird kühler, man stellt die Heizung an, macht Tee, zündet Kerzen an, zieht dicke Socken über kalte Füße und so fort. Der Körper will es schön warm haben. Man hält sich mehr drinnen als draußen auf und dann merkt man nach dem ganzen Sommer, in dem man draußen rumgeturnt ist, dass man zuhause alleine sitzt. Keiner da zum Austausch über den Tag, selbst wenn er im Streit mündet. Hört sich armselig an? Aber ist es nicht so, daß viele einander nicht verlassen können, aus Angst vor dem Alleinsein, vor dem sich Auseinandersetzen, vor der Einsamkeit?

Ich wollte nicht einsam zu zweit sein. Dann lieber allein allein.

Der Schmerz kommt in Wellen. Wenn man jemanden verliert gibt es schlechte Tage, doofe Tage, gute Tage und himmelhochjauzende Tage, an denen es einem nie besser ging. Ja, so ist das. Die schlechten Tage werden weniger, die guten mehr. Es ist nur alles eine Frage der Jahreszeit. Und die jetzige ist definitiv dazu da alte Geister zu vertreiben.

Allerheiligen, der Tag um Abschied zu nehmen, um zu trauern. Im Gedenken an die Verstorbenen. Ich sehe das auch Metaphorisch.

Am 1.11. besucht man Friedhöfe, ein Ort der vollkommen Ruhe, schmückt Gräber und zündet Kerzen an, sogenannte „Seelenlichter“. Dieses Licht soll die Seelen wärmen und böse Geister vertreiben. Nicht umsonst kommt aus den USA bzw. ursprünglich aus Irland der Brauch zu Halloween, also vom 31.10 auf den 1.11., einen Kürbis mit Fratzengesicht und Kerze aufzustellen. Abgeleitet von „All Hallows Eve(ning)“, also Abend vor Allerheiligen, hat Halloween heute nicht mehr viel mit dem ursprünglichen Gedanken zu tun, es ist ein heiteres Fest an dem ausgelassen gefeiert wird.

Besondere kulinarische Bräuche gibt es zu Allerheiligen und Allerseelen nicht. Aber in Süddeutschland und Österreich wird am 1. November Seelenbrot oder auch Allerheiligenstriezel gebacken, meist in Form eines geflochtenen Zopfes. Der Brauch hat seine Wurzeln in antiken Trauerkulturen, als man sich die geflochtenen Haare abschnitt, um Trauer auszudrücken.

Das Gelingen des Backwerks war regional mit einem Aberglauben verbunden. Ging der Teig auf, bedeutete dies Glück und Erfolg für das kommende Jahr. Demzufolge wird das nächste Jahr ein Bombenjahr, denn der Striezel ist im Ofen grandios aufgegangen. Aber wie schon gesagt, vor dem neuen Jahr muß ich nur noch die Geister vertreiben. Und nach getaner Arbeit hau' ich mir den Bauch mit Allerheiligenstriezel voll. Denn Trockenbrot und alte trockene Krümel sind auf Dauer nichts für mich.


Eure la petite cuisine

Dienstag, 22. Oktober 2013

zwetschgenkuchen mit räuber hotzenplotz





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Wenn es nicht so wäre, wäre es auch nicht schlimm. Aber das es so ist, ist umso schöner.

Ich genieße es sehr zu sehen wie Julius das Essen liebt. Zu sehen, wie er das Essen genießt. Es ist eine Freude ihm dabei zuzusehen. Der kleine Mund ist meist verschmiert, die Hände auch. Obwohl er mit der Gabel ißt, klebt überall Essen. Ich weiß nicht wie er das macht. Auch auf dem Stuhl und auf dem Boden liegen Kartoffelstückchen oder hängt Spinat. Wenn er etwas gerne isst, passt wirklich sehr sehr viel in diesen kleinen Bauch. Dann sagt er so was wie: „Ich will noch mehr, weil das ist sooo lecker, Mama!" Es gibt aber auch vieles, was er nicht mag - ohne es zu probieren. Das wird dann mit einem unmissverständlichen Gesichtsaus-druck begleitet, da braucht es eigentlichen kein: „Das mag ich nicht!“ Punkt. 

Aber mittlerweile probiert er doch viele Sachen, sogar die letzte Karottensuppe, obwohl er Karotten hasst. Julius war wohl das einzige Kleinkind, welches keine Erbschen mit Möhren gegessen hat. Mal sehen, wie sich das mit den Karotten noch entwickelt... Erbsen isst er mittlerweile.

Beim Kochen und Backen am Wochenende kann ich mich oft auf rege Mithilfe freuen. Er holt dann einen Stuhl, schleppt ihn zum Herd und sagt: „Ich will mithelfen.“ Zur Zeit ist übrigens das Wort „will“ ein sehr häufig benutztes.

Er entkernt die Zwetschgen, die ich vorher aufgeschnitten habe, zerkrümelt das Crumble mit seinen Händen, verteilt die Haselnusskerne auf dem Kuchen. Steckt überall seine Finger rein. Mama ist echt stolz auf ihren Sous-Chef. Während der Kuchen im Ofen ist, spielen wir noch ein bißchen Räuber Hotzenplotz...mit dem Herrn Apfelmos (Dipfelmoser), dem Pascal (Kasperl), Seppel und der Großmutter. Wobei Julius der Hotzenplotz ist und ich die anderen...Wobei er den Räuber nicht spielt, er IST Hotzenplotz! Und wie! Das sag ich Euch! Und am Ende essen alle bei der Großmutter, also bei einer meiner 4 Persönlichkeiten, warmen Zwetschgenkuchen mit Sauce.

Wünsche Euch einen wunderschönen Herbsttag! 
Eure la petite cuisine

Dienstag, 15. Oktober 2013

Von Speis' und Trank - Pays d'Oc IGP Event in Hamburg





Foto: Hylmar Möckel


Foto: Hylmar Möckel





























Foto: Hylmar Möckel 


Ich mag's am liebsten trocken – bei Weinen. Weiß oder Rosé. Rot vertrage ich leider in meinem Alter nicht mehr...

Aber egal: Wein solo, zum Essen oder zu etwas Käse. Eine einfach feine Sache.

Da ich leider nicht allzu viel Ahnung vom Wein habe - und das ist noch untertrieben - nehme ich immer gerne Tipps und Anregungen von Experten entgegen.

Und so war der Pays d'Oc IGP Fingerfood-Wein-und-Foto-Workshop in Hamburg nicht nur wegen neuer Weinkenntnisse ein voller Erfolg. Es war ein rundum schöner Tag mit lauter netten Leuten, einer tollen Location und wunderbarem Essen.

In der lichtdurchfluteten Location von Kev's Kitchen kochten der Inhaber Kevin von Holt und sein Küchenchef Tim Thiel die wunderbarsten kleinen Kreationen, während ich über Fototechnik und Foodfotografie referierte. Ich muß gestehen, manchmal etwas abgelenkt durch die köstlichen Düfte, die mir um die Nase strichen.

Während sich nun alle 9 reizenden Blooger-Ladies nach dem vielen Gehörten an einigen fertigen Fingerfood-Häppchen versuchten, übten und erfolgreich waren, wurden an diesem schönen Nachmittage schon die ersten Weiss- und Roséweine zum Verkosten geöffnet. Ein richtig temperierter guter Wein ist immer wieder in Hochgenuss! (Vielen scheint das selbstverständlich zu sein, aber in vielen Läden, erhält man warmen Rotwein und bei Reklamation desselben, bekommt man gesagt, er habe doch Raumtemperatur... ja 21 bis 22 Grad Grad...örgs! Da ist das Schwimmbadwasser im Sommer ja kälter.)

Mein absoluter Favorit des Tages, das nehme ich hier mal vorweg, war der 2012 Pays d'Oc IGP, Merlot Rosé, Fortant de France: ein so fruchtiger, spritziger und beeriger Gaumenschmeichler. Fantastisch!

Aber auch viel Spaß im Glas machten der Cams Syrah Rosé, Anne de Joyeuse,  der Mon Pré Carré, Vignobles Gilles Louvet und der von Verena Herzog sogenannte "Reparaturwein" Le Sauvignon, Vignobles Guilhem, ein Wein "mit dem man, wieder von vorne anfangen kann". Sehr sympathisch! 

Zu diesen Genüssen kamen wir dann im zweiten Teil, als Sommeliére Verena Herzog zur Verkostung mit vielen interessanten Hinweisen zu 12 Weinen einlud. Wie auch schon letztes Jahr in Köln hat sie die ausgewählten Weine aus dem Anbaugebiet des Pays d'Oc IGP, mit so viel Hingabe und Leidenschaft vorgestellt. Eine wahre Wonne ihr zuzuhören und zuzusehen! Alle Fingerfood-Gänge waren nun auch fertig und konnten zusammen mit den Weinen ihre Aromen voll entfalten.

Zum Neidischwerden die Abfolge der Gänge mit den passenden Weinen:

1. Scampi mit Bresaola
Weisswein: Viognier Code Inspiration, Vignerons de Cers-Portiragnes

2. Zweierlei Lolli (Kräutercrêpe und Parmesan)
Weisswein: Chardonnay Terroir Littoral, Fortant de France

3. Klares Süppchen von der Paprika mit Salbeistrudel
Roséwein: Merlot Rosé, Fortant de France

4. Tramezzini Sandwich mit gebratenem Kalbstartar
Roséwein: Camas Syrah Rosé, Anne Joyeuse

5. Interpretation von der Gazpacho mit Garnele
Roséwein: Movida, Grenache Rosé, Domaine Laporte

6. Kross gebratener Wolfsbarsch mit Rotweinschalotten und Balsamico-Linsen
Rotwein: Marselan, Mon Pré Carré, Vignobles Gilles Louvet

7. Pfifferlingstartar im Strudelteig mit Arabica Robusta
Rotwein: Merlot Original, Anne de Joyeuse

8. Interpretation von Hamburger
Rotwein: Pure, Cabernet Sauvignon, Domaine de Brau

9. Interpretation der Ente à l'Orange (Entenfilets, Linsen, Orange)
Rotwein: Flying Solo, Grenache Syrah, Domaine Gayda

10. Lammrückenspieße in Brombeerhonig glasiert mit Kastanien-Mousseline
Rotwein: Mont Plaisir Syrah, Vignerons de Cers-Portiragnes

11. Rindfleisch mit Kakao, Kohlrabi und Dörrfeigen
Rotwein: Malbec Terroir de Collines, Fortant de France 

12. Knusprige Strudelblätter mit Ziegenkäse und Apfel-Feigensenf-Sorbet
Weisswein: Le Sauvignon, Vignobles Guilhem

Wie das so bei Weinverkostungen ist, man trinkt den Wein eigentlich nicht aus, nimmt nur ein oder zwei Schlucke und spuckt ihn galant in ein Gefäß. Ich hab immer das Glas ausgetrunken. Zumindest fast immer. Bei den Rotweinen (wegen oben genannten Animosität von Rotweinen gegenüber meiner Person) habe ich den einen oder anderen Schluck ganz gezielt weggeschüttet. Aber bei professionellen Weinproben kann man sich solche Sentimentalitäten nicht leisten, wenn man sich den Abend über noch angeregt unterhalten will. Also ich war am Abend äußerst guter Dinge. Ich mußte ja nur zuhören und genießen.

Danke schön an alle Teilnehmerinnen, an Kevin von Holt & Co., Verena Herzog und die lieben Organisatoren rundherum.

Zum Abschluß noch die Stimmen und Eindrücke einiger Teilnehmerinnen. Viel Spaß beim Lesen!



À bientôt! Eure la petite cuisine