![]() |
| Granglerhütte, 1350 m Seehöhe |
![]() |
| Weißpriach Tal, 1100 m Seehöhe |
![]() |
| Prebersee, alpiner Moorsee, 1500 m Seehöhe |
"Kim
aufi!", ruft der kleine Junge. Mein Sohn schaut mich fragend
an. Ja, er muß sich noch umgewöhnen. An die Sprache, - wir kommen
gerade vom Gardasee - an die Lederhosen, an die kühlere Luft, die
Berge ringsherum und die Kühe, die überall rumstehen und gehen. Ich
muß auch erst wechseln von 33 Grad im Schatten, Aperol Sprizz am
Pool und Pasta auf Wanderschuhe, PreiselBier
(echt sauguat) und Brettljausen. Aber das ist schnell geschehen.
Obwohl
ich die Hitze liebe, so richtig durchatmen in den Bergen hat auch
seinen Reiz.
Das
Weißpriach Tal! Das
war in diesem Sommer das mit schönste Naturerlebnis meines bisherigen
Lebens. Diese Ruhe. Diese kristallklaren Gewässer der Bergbäche.
Unbeschreiblich. Zum Verweilen lädt die urige Granglerhütte
ein. Und die Kühe laufen überall umanand. Das hat was von
Berg-und-Wiesen-Anarchie. Sie stapfen durch Wälder, über Wiesen,
durch Bäche, auf Wegen. Egal. Einfach durch. Irgendeine Ordnung
besagt, dass die Kühe vom Bauern X glockenbimmelnd laufen dürfen,
während die vom Bauern Y hinterm Zaun stehen müssen. Schauend und
muhend. Das Leben ist manchmal ungerecht.
Ich
mag Kühe. Wirklich. Ich hab nur Respekt vor der gewaltigen Zunge.
Als Kind wurde mir mal die Hand abgeschleckt und ich dachte damals
panisch sie bliebe an der haarigen, nassfeuchten Zunge kleben.
Deswegen streichle ich die heute lieber nicht mehr so nah am Maul und
Juju versteckt sich erstmal vorsichtshalber hinter mir. Man kann
nie wissen. Aber das kleine Kalberl hat's ihm angetan. Hingebungsvoll
und hungrig saugt es gierig an dem Milcheimer mit dem Nuckel und
schlabbert in der Hektik viel daneben. "Ich will heute Abend
auch eine Milchflasche!", fordert mein Sohn bei diesem Anblick
ein. "Möchtest Du gleich die frisch gemolkene haben?",
frage ich ihn.
Er
versteht nicht was ich meine. Er weiß noch nicht wo die Milch
herkommt. Aber als die Bäuerin die erste Kuh melkt, steht Juju mit
großen Augen daneben und bemerkt, dass da aus der Kuh „Milch
rauskommt“. Lebendiger Anschauungsunterricht.
Als
es zum "Hei'gen" (dt. Heuen/Heu ernten) geht, ist mein Großerkleiner auch gleich mit dabei. Mit wahrer Freude und regelrechtem
Arbeitseifer wirft mein Sohn Heugabel um Heugabel auf den Anhänger.
Die Träger rutschen ihm von den Schultern, er hat rote Wangerln und
ich schaue ihm gerne dabei zu. Als ich nach einer Weile anmerke, ob
er nicht mal zum Abendessen reinkommen wolle, entgegnet er: "Nein,
ich muß noch arbeiten!" Ich lasse ihm seinen Willen. Soll er
sich beim Heuen schön verausgaben.
Wenn
ich so zurückdenke an unsere Bauernhofurlaube auf dem Feierlhof vor
30 Jahren, war es nicht anders. Stundenlang war ich im Stall, auf dem
Heuboden, im Misthaufen, in den Obstbäumen oder sonstwo auf dem Hof.
Ich hab den Feierl-Bauern bewundert, der eine Kuh immer mit den
Händen gemolken hat, weil diese die Melkmaschine nicht vertrug. Er
saß dann auf einem uralten dreibeinigen Holzschemel und legte seine
kräftigen Hände an die Euter. Die Milch floß nur so in den Eimer.
Neugierig stand ich daneben, bis er mich einlud, auch mal zu
probieren. Ich tat mein bestes, aber ich habe nicht einen einzigen
Spritzer aus der Kuh herausbekommen. Aber Abend roch ich immer nach
Kuh oder Schwein oder allem zusammen. Ich liebe diesen Geruch. Meine
Mutter steckte mich lachend in die Wanne.
Wenn
ich dann heute, nach 30 Jahren, im Kuhstall bin, und der Stallgeruch
in der Luft liegt, weckt das (als Städterin) einfach wunderschöne
Erinnerungen.
Einmal
wurden wir Nachts aufgeweckt (meine Mutter, meine Schwester und ich)
als die Katze im Schweinestall ihre Jungen bekam und mit einer
Laterne sind wir über den Hof gegangen. Eines hat die Katzenmutter
nicht angenommen, das durften wir mit der Flasche füttern. Ich sag
Euch, gibt es etwas Schönes für Kinder? Wir waren damals
glückselig.
Juju dagegen ist den Kühen und dem Schwein gegenüber noch skeptisch, im
Gegensatz zum kleinen Jungen vom Hof. Man merkt, dass er das jeden
Tag mehrmals sieht und überall dabei ist. Er rennt seiner Mutter vor
die Füße, die die schwere, mit Mist bepackte Schubkarre zum
Misthaufen schiebt und hat keine Angst vor Karoline, Josephine und
Alma, den Kuhdamen.
Mein kleiner Bursch' hingehen hilft lieber wieder mit wenn es ums Heu geht. Er stiefelt
die Treppe zum Heustadl hoch und schiebt Heu mit der Gabel runter in
den Stall, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Ich muß
schmunzeln über meinen kleinen Jungbauern und denke dann an meine
erste (und letzte) miterlebte Schweineschlachtung.
Im
nachhinein betrachtet, war das alles schon sehr urig. Der Bauer
selbst hat das Schwein gepackt und auf einmal ging es ganz schnell.
Im Innenhof auf einem alten Schlachttisch hat er es zerlegt und bis
zum frühen Abend wurde gearbeitet. Die blinde Großmutter hat auf
dem Hof in der Sonne die Därme ausgespült und der Bauer hat das
Blut mit Kübeln voller Wasser etwas weggeschwemmt. Alpträume hatte
ich keine, wenn das jemand denkt, es gehörte in der Ferienzeit zum
Hofleben dazu und wenn man helfen wollte, durfte man das auch.
Auch
wurde einmal ein kleiner Stier auf den Hof gelassen. Ich weiß nicht
mehr warum, der war ganz schön wild und hätte einen tollkühnen
Gast fast auf die Hörner genommen. Wir Kinder schauten uns den Spaß
aus unserem Fenster aus an.
Gab's
nichts zu Gucken waren wir im Heuboden und sind von den Balken runter
ins Heu gesprungen. Rauf und runter. Rauf und runter. Und mit den
Gummistiefeln durch den Misthaufen. Yeah! Meine Mutter war hellauf
begeistert.
Juju ist kein Kind, welches besonders gerne läuft. Zuhause können schon
30 Meter eine Herausforderung sein. Daher war ich wegen der
bevorstehenden Wanderungen etwas nervös. Aber statt einem
quengeligen Kind, welches grantig über den Boden rutscht, lief er
immer guter Laune, egal ob im Regen, oder in der Sonne, neben uns,
oder meist vor uns her. Dafür hat er in diesen Tagen unglaubliche
Mengen Essen verputzt: ein Teller Pommes frites mit Grillwürstl war
weg im Nu. Und auf dem Weg zurück schlief er dann selig im Auto,
Kraft tanken für die allabendliche Stallarbeit.
W Berge,
wir kommen wieder! W














































































