Es gibt ja Gerichte, über die man sich
selbst irgendwelche Mysterien, Hirngespinste und Fantasien
zusammenreimt, und die der Grund dafür sind, dass man sie entweder
noch nie gegessen hat oder noch nie selber gekocht hat oder beides.
Eines dieser Sonderbarkeiten war für
mich schon immer die Fischsuppe. In meinem Geiste sah ich immer eine
klare, manchmal fast wässrige, Suppe, in der aufgeweichte
Fischstücke, Gräten und Fischköpfe (man beachte den
Plural!)schwammen. Dieses Bild habe ich irgendwie nicht aus dem Kopf
bekommen.
Mal wieder neu mit diesem Thema
auseinandergesetzt habe ich mich in unserem spontanen Hollandurlaub -
Montag gebucht. Mittwoch gefahren. Oh, das liebe ich! Und am Meer
isst man ja bekanntlich Fisch. Gegen Fisch hab ich ja nix. Wirklich
nicht. Am Tag unserer Ankunft sind wir natürlich gleich zum Meer
gefahren. Julius war ganz aufgeregt und wollte dann gar nicht mehr
weg, obwohl wir drei schon richtig gefroren haben. Also haben wir uns
für das Touristenrestaurant direkt am Strand entschieden. Mein Mann
nahm Kibbeling mit Frites. Julius auch und ich habe Rotbarsch mit
Kräuterhollandaise und Gemüse bestellt. Es schmeckte uns prächtig
und wir saßen da und genossen den Blick aufs Meer, als die Bedienung
mit zwei Tellern dampfender Fischsuppe aus der Küche schwebte und
sie an einen Tisch mit sechs gesprächigen niederländischen Damen
abstellte. Die freuten sich sichtlich über ihr Essen - bei mir
sprang gleich der Film an. Ich konnte ja schlecht aufstehen, und mal
nachsehen, wie es in der Suppenschüssel wirklich aussah.
Wie auch immer - wir haben noch zwei
nette Tage dort am Meer verbracht. Ohne Fischsuppe.
Als wir dann aber zu Hause waren habe
ich lange darüber nachgedacht welches Essen denn in meinen
Holland-Post passen würde: Frites spezial war mir zu banal, auf
Kibbeling hatte ich keine Lust und Fischbrötchen auch nicht. Warum
nicht meiner Fischsuppenphobie auf den Grund gehen bzw. diese mittels
eines eigenen Rezepts versuchen auszumerzen?
Bei der Zubereitung der Basis habe ich
mich an eine provencialischen Fischsuppe gehalten und diese „volle
Suppe“ abgewandelt. An Gemüse habe ich Tomaten, Karotten und Lauch
verwendet. Die Fischfilets habe ich bei unserem netten
niederländischen Fischladen gekauft: Rotbarsch und Seelachs – zwar
kein ganz festes Fischfleisch, aber auch nicht zu weich. Soll ja um
Gottes Willen nicht zerfallen – siehe Hysterie „zerfallenes
Fischfleisch in der Suppe schwimmend“.
Erst wollte ich das gekochte Gemüse
einfach nur pürieren, habe mich aber für die feinere Variante
entschieden, nämlich durch ein Sieb zu passieren. Viel Arbeit, lohnt
sich aber. Die Farbe und die Konsistenz des Gemüsepürees weckte bei
mir gute Stimmung. Da ich ja ein bißchen Holland in die Suppe
bringen wollte, habe ich Gouda gerieben und ihn auf Baguettescheiben
gedrückt. Mit aller Vorsicht und Andacht habe ich die Fischstücke
auf das Gemüsepüree gebettet und gehofft, dass sie nicht zerfallen
mögen. Ja nicht umrühren. Gut 5 Minuten ziehen lassen. Alles noch
heil. Dann ab in die Töpfchen, die Käsebrotscheiben drauf und
überbacken.
Also, ich muß sagen, schon die
Zubereitung hat wirklich Freude gemacht, wie es beim Kochen ja (fast)
immer ist. Die Küche duftet, die Finger sind von den Karotten schön
orange und im Ofen blubbert die dicke, sämige und duftende
Fischsuppe mit überbackenen Käse.
Dann wurde das Ganze fotografiert. Mit
der Nase (und Kamera) über der Suppe fiel es mir schon fast schwer
nicht mal zu probieren. Ja, wirklich! Nachdem das letzte Bild gemacht
war, gab es keine Verzögerung mehr. Her mit dem Löffel! Mhhhh.
Schmatz. Schleck. Ich sag nur: meine Fischsuppenhysterie kann als
geheilt angesehen werden. Wässrige Fischsuppen mit darin herum
schwimmenden zerfallenen Fischfleisch gehören im meinem Geiste der
Vergangenheit an.
Ach, und bevor ich's vergesse: Thea von Sister Mag hat ein paar Fragen samt Fotos von mir auf dem Sister Mag Blog veröffentlicht. Danke, Thea! Schaut hier!
Eine schöne Woche wünscht Euch
la petite cuisine