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Fotos: Eileen, Gülten, Susanne
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Unser kleiner Hoppes, unsere kleine Heiligkeit, ist am Wochenende 2 Jahre alt geworden. Oh nein, jetzt werden vielleicht einige schreien, sich die Haare raufen und Pickel an den Beinen bekommen: „Das Kind hat halt Geburtstag und warum in aller Welt hat es diesen absonderlichen Spitznamen. Die Frau hat 'nen Knall, das Kind wahrscheinlich auch schon und der Vater erst recht.“
Nun, ähhm, ich werde das jetzt mal versuchen zu erläutern:
Es gibt Ereignisse im Leben einer Mutter, die sind von essentieller Bedeutung und dienen der Abnabelung: Kind wird abgestillt, Kind ist das erste Mal für zwei (!) Stunden bei der Tagesmutter (Mutter ruft zu Tränen aufgelöst den Kindesvater an, um ihm mitzuteilen, dass man die schlimmste Rabenmutter auf Erden sei), Kind wird 1 Jahr, Kind wird 2 Jahre (vielleicht ebbt das ja beim 3. Geburtstag etwas ab?!) Kind schläft das erste Mal nicht zu Hause (sondern bei den Großeltern oder so), Kind wird vom Elternschlafzimmer ins eigene Zimmer ausquartiert (oh, wir sind wieder unter uns, was machen wir denn jetzt bloß?!), Kind bekommt den ersten Haarschnitt (steht uns noch bevor, s.u.), Kind wird Kindergartenkind, Kind wird Schulkind, Kind fährt das erste Mal mit der Schule „alleine“ einige Tage weg, Kind wird pubertär, Kind hat die erste richtige Freundin/ersten Freund (Schluck), Kind macht Abi (oder so), Kind zieht aus, Kind führt eigenes Leben und besucht seine armen einsamen Eltern nur einmal im Monat (kenne ich irgendwoher), Kind heiratet, Kind bekommt Kind (also erstes Enkelkind) usw. Nur so als grobe Anhaltspunkte.
Ich weiß, wir haben da noch viel vor uns. Aber erst sind wir mal beim 2. Geburtstag und der war echt schön! Mit Heidelbeermuffins, Schoko-Donuts, Kartoffelsuppe mit Würstchen, vielen Kindern und wunderschönen Geschenken (u.a. einen selbstgestrickten Autopullover vom großen Cousin, ein Kochbuch (nein, nicht für die Mutter) und eine Küche für Nachwuchsköche mit Zubehör). Und im Kopf wieder der Mama-Film: Kind ist schon irgendwie so groß und doch noch so klein!? Der hat doch erst gestern noch zufrieden an der Brust genuckelt, oder ist das schon so lange her? Und jetzt läuft er (meistens weg), sagt Wörter wie „nein“ und „kacka“, will Schokolade und Würstchen essen, aber kuschelt Gott sei Dank noch immer so gerne in Mamas Armen. Oh, schmelz. Mein Mamaherz schlägt da gerade ganz laut und um das noch zu toppen erzähle ich mal woher der vorübergehende Spitzname herrührt.
Und das kam so: in den ersten Tagen „damals“ vor ungefähr 2 Jahren haben wir Abends, wenn er in seinem Stubenwagen oder (und das war der häufigere Fall) an der Brust eingeschlafen war, unser 47 cm kleines und 2500 g leichtes Schätzchen wie eine Heiligkeit die Treppe hinauf ins Bett getragen - der Kopf in der linken Hand, der Popo in der rechten und dabei ganz vorsichtig gegangen, damit die Treppe nicht knarzt und Kindchen bloß nicht in seinem seligen Schlaf gestört würde. Ja, ja, junge Eltern mit dem ersten Kinde. Nur um das noch mal klarzustellen: Wir nennen ihn nicht mehr unserer Heiligkeit, ich glaube, er würde vielleicht wirklich davon Schaden nehmen.
Ich weiß aber auch noch, und ich komme jetzt mal langsam auf den Punkt, dass wir - die jungen Eltern - während dieser Ins-Bett-und-leise-die-Treppen-Raufgehen-Zeremonie manchmal fast geplatzt sind vor Lachen, wir wollten das Kind ja nicht aufwecken. Nicht Lachen dürfen macht ja einen Lachanfall nur noch schlimmer. Dieses Lachen war nämlich Ausdruck der Absurdität dieser Situation - eine Mischung aus Fürsorge, Unsicherheit, Liebe und das ganze andere drumherum.
Was ich einfach mit all dem Gelabber sagen möchte ist: es gibt auf der einen Seite das sentimentale Mutterherz, das u.a. den ersten Friseurtermin herauszögert, weil dann ja wieder etwas mehr Babysein abhanden kommt, und das sentimentale Vaterherz, das immer wieder einen Grund findet, um das Ausquartieren ins Kinderzimmer herauszuzögern und das Zurückerinnern an Heiligkeitszeittage und Ähnliches. Aber neben dem Mutter- und Vaterherz schlägt auch noch das Ich-liebe-meinen-Beruf-Herz und/oder das Ich-liebe-meinen Mann bzw. Ich-liebe-meine-Frau-Herz, wo das Kind einfach mal keinen Platz hat (oder sehr wenig). Und dieses eigenständige Herz ist so ausgesprochen wichtig. Es hilft, auch mal über das Muttersein zu lachen, oder zu lächeln und sich neben dem Elternsein nicht zu vergessen – als Paar und als Individuum.
Meine Relativitätstheorie besagt: Kind und Beruf relativieren sich ganz wunderbar. Nervt der Job, gibt nichts Schöneres als in den Kinder- und Familienalltag abzutauchen. Nervt das Kind, kann der Beruf wahre Wunder wirken, das Kind nicht beim nächsten Spielplatz auszusetzen. Den schönsten Satz, den ich vor nicht allzu langer Zeit zu diesem Thema gelesen habe und der den Nagel auf den Kopf trifft, lautet: "Du bist mein Ein, aber nicht mein Alles." Das ist quasi die Zusammenfassung meiner ellenlangen Ausführungen.
So, aber am 2. Geburtstag bist Du unser Ein-und-Alles, unser allerliebstes Hoppelchen. Deine Mama & Dein Papa